Gerhard Sabathil: Hat dieser deutsche Ex-Diplomat für China spioniert?

Gerhard Sabathil schläft noch, als die Beamten um sieben Uhr morgens an der Tür seiner Wohnung am Berliner Boulevard Unter den Linden Sturm klingeln. Der Ex-Diplomat öffnet die Tür. Draußen stehen rund ein Dutzend bewaffnete Polizisten und andere Beamte. Sie präsentieren einen Durchsuchungsbeschluss des Bundesgerichtshofs. Der Vorwurf: geheimdienstliche Agententätigkeit für eine fremde Macht.

“Sind Sie bewaffnet, oder haben Sie Waffen im Haus?”, fragen die Polizisten den 65-Jährigen, hinter ihm steht seine Lebensgefährtin, das acht Monate alte Baby auf dem Arm. “Nur Küchenmesser”, antwortet Sabathil.

Im Durchsuchungsbeschluss heißt es, Sabathil habe “sich verpflichtet”, Informationen und Unterlagen “aus seinem beruflichen oder privaten Umfeld” an einen Führungsoffizier des chinesischen Geheimdienstes zu geben. Am selben Tag werden Büroräume von Sabathils Arbeitgeber, einer europäischen Lobbyfirma, gefilzt, zudem die Wohnungen von zwei Männern, die Sabathil angeworben haben soll.

Als der Fall im Januar öffentlich wurde, schlug er hohe Wellen. Zwar warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz schon seit Jahren, dass Peking versuche, “verstärkt Personen aus westlichen Ländern in ihrer Heimat, vor Ort in China oder über soziale Netzwerke als Informanten oder Agenten zu werben”. Aber dass eine so hochrangige mutmaßliche Quelle des chinesischen Ministeriums für Staatssicherheit enttarnt wurde, wäre eine Premiere.


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