Manuela Schwesig (SPD): “Wir sind noch mittendrin in der Pandemie”

SPIEGEL: Frau Schwesig, warum werden aus Ihrem Bundesland Urlauber aus Gütersloh nach Hause geschickt wie vor ein paar Tagen auf Usedom? Ihr Kollege Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, bat öffentlich darum, Bürger aus diesem Kreis nicht zu “stigmatisieren”.

Schwesig: Wir freuen uns, dass wir wieder Urlaubsgäste aus ganz Deutschland empfangen können. Aber wir haben von Anfang an klar geregelt, dass wir keine Gäste aus Risikogebieten aufnehmen. Es sei denn, sie sind gerade getestet worden und coronafrei. Wir müssen verhindern, dass das Virus über die Urlaubsorte wieder in ganz Deutschland verbreitet wird. Gütersloh zeigt, wir sind noch mittendrin in der Pandemie.

SPIEGEL: Warum dürfen noch immer keine Tagestouristen nach Mecklenburg-Vorpommern kommen? Zuletzt gab es gerade noch ein bis zwei Neuinfektionen am Tag im ganzen Bundesland.

Schwesig: Mecklenburg-Vorpommern ist das beliebteste Reiseziel in Deutschland. Wir haben 30 Millionen Übernachtungen pro Jahr bei 1,6 Millionen Einwohnern. Wir setzen auf sicheren Tourismus für Bürger, Mitarbeiter und die Gäste. Ich glaube, dass unser Land und auch die Besucher am Ende davon profitieren. Solange es keinen Impfstoff und kein Medikament gibt, bleibt uns nur: Abstand halten, Infektionsketten nachvollziehen. Das können wir aber nur, wenn die Zahl der Urlauber nicht zu hoch ist und wenn nachverfolgbar bleibt, wer sich im Land aufgehalten hat. Genau das geht beim Tagestourismus nicht. Niemandem wäre damit gedient, wenn wir wieder alles dicht machen müssten.

SPIEGEL: Wie groß ist Ihre Sorge, dass mit dem Massenausbruch beim Schlachtkonzern Tönnies und mit anderen Corona-Hotspots wie in Berlin jetzt die zweite Welle kommt – oder ist sie schon da?


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