Ursula von der Leyen gegen Charles Michel: Zwei wie im Kindergarten

Oft zeigen kleine Sticheleien, wo etwas Großes im Argen liegt. Charles Michel, der Präsident des Europäischen Rates, kann ziemlich gut sticheln. Zuletzt bekam das Kommissionschefin Ursula von der Leyen zu spüren, als es darum ging, das gemeinsame Gespräch der EU-Spitzen mit dem britischen Premier Boris Johnson zu organisieren.

Eigentlich war klar, dass von der Leyen zu dem Videotreff einlädt, denn die EU-Kommission führt die Brexit-Gespräche. Das hinderte Michel aber nicht daran, die Rolle des Regisseurs für sich einzufordern. Zunächst ließ er seinen Sprecher per Twitter den Termin ankündigen und reklamierte dessen erfolgreiche Organisation für sich. Dabei waren es von der Leyens Beamte, die so gut wie alles festgezurrt hatten.

Später übermittelten Michels Leute offenbar auch noch die Einwahldaten für den Videotreff. Nach einer Intervention aus dem Kommissionshauptquartier wurde die Einladung dann ein weiteres Mal versandt – dieses Mal von der Gastgeberin.

Die Kindergartenrangelei um den Videotreff mit Johnson ist nur das jüngste Scharmützel zwischen zwei Politikern, die sich in Europas größter Krise eigentlich als Verbündete unterhaken müssten. Im Idealfall bilden Rats- und Kommissionspräsident ein starkes Team. Von der Leyen und ihre mehr als 30.000 Mitarbeiter haben das Know-how, Michel hat das Ohr der Staats- und Regierungschefs. Auch persönlich könnten sich die beiden gut ergänzen. Sie verfügt über einen kurzen Draht ins Berliner Kanzleramt, er hat als ehemaliger belgischer Premier quasi eine Standleitung zum französischen Präsidenten Emmanuel Macron.


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