Corona-Hotspot Sölden: Sonne, Schnee und Tod

Corona-Hotspot in den Alpen, sechs Buchstaben: Ischgl, was sonst? Für Christiane Otto hat der Tod aus den Bergen sechs andere Buchstaben. Sölden. Ein Dorf wie ein zweites Ischgl, denn auch Sölden steht seit Jahrzehnten für diese Art von Skiurlaub: die Tage in Reinweiß, die Nächte das reinste Rambazamba.

Auch in Sölden tanzte Anfang März das Virus mit, ließen die Wirte die Puppen noch weitertanzen. Touristen, die nicht wussten, wie nah die Gefahr war. Nur dass Sölden bisher unsichtbar blieb hinter Ischgl, jenem Ort, der alle anderen Orte des Versagens in den Schatten stellt.

Christiane Otto, 47, hatte ihren Vater zum Skifahren mitgenommen, Helmut, 77. Ein Mann mit Ziegenbärtchen, vollem Haar, glatter Haut, dem das Altern wenig anzuhaben schien. Er kam am 12. März mit Covid-19 zurück ins Rheinland. 19 Tage später war er tot. 

Eineinhalb Monate später sitzt Christiane Otto am Esstisch ihrer Wohnung in Düsseldorf; ihre Mutter Ulrike ist aus Velbert herübergekommen. Beide hatten sich selbst angesteckt, nur ein leichter Verlauf, aber das Leben danach hat jede Leichtigkeit verloren. Vor ihnen liegt ein Fotobuch: “Sölden-Urlaube 2011 bis 2016”, auf dem Deckel Vater und Tochter, wie sie vor dem Bergpanorama stehen, dazu die Zeile “Sonne, Schnee & Spaß”. “Lieber Papa, bleib so fit, wie Du es bist, dann fahren wir auch noch locker die nächsten zehn Jahre in den Skiurlaub”, schrieb Christiane dazu.


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