Jean-Claude Juncker über Corona: “Durch die Krise wurden wir bessere Europäer”

Juncker, 65, wirft mit beiden Händen einen Kuss in die Luft, dann weist er auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Als ehemaliger Präsident hat Juncker noch ein Büro im Berlaymont, dem Hauptquartier der EU-Kommission in Brüssel. Die Corona-Zeit hat er in seinem Haus in Luxemburg verbracht. Da habe er gemerkt, dass er einen Garten besitze, sagt Juncker, die Menschen aber hätten ihm gefehlt.

SPIEGEL: Herr Juncker, am 1. Juli startete der deutsche Vorsitz im Rat der Europäischen Union. Ist das eine gute Nachricht?

Juncker: Ich finde schon. Die deutschen Nachkriegskanzler haben ohne Ausnahme immer eine positive, proeuropäische Rolle gespielt. Auch Angela Merkel gehört zur Kategorie dieser Europäer, die den Blick nach vorn richten. Sie hat ja gerade erst gezeigt, dass sie über ihren Schatten springen kann.

SPIEGEL: Merkel will Länder, die von der Coronakrise besonders betroffen sind, mit Zuschüssen in Höhe von 500 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Bislang hatte sie sich dem Werben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für gemeinsame europäische Schulden verweigert. Wie erklären Sie sich den Sinneswandel?


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