Türkei – Außenpolitik: Wer stoppt Recep Tayyip Erdogan?

Im Jahr 2001 veröffentlichte Ahmet Davutoğlu, ein bis dahin weitgehend unbekannter Istanbuler Politikprofessor, ein Buch mit dem Titel “Stratejik Derinlik” (“Strategische Tiefe”), in dem er eine Neuausrichtung der türkischen Außenpolitik forderte. Die Türkei hatte sich seit ihrer Gründung durch Atatürk 1923 als neutraler Staat definiert. Zwar stand sie als Nato-Partner im Kalten Krieg an der Seite des Westens, aber aus den Konflikten in der Region, insbesondere im Nahen Osten, hielt sie sich weitgehend heraus.

Davutoğlu hingegen sah für die Türkei in der Tradition des Osmanischen Reichs eine Führungsrolle zwischen Nordafrika und dem Balkan vor. Bei dem neuen, islamistischen Premier Recep Tayyip Erdoğan kam diese Haltung gut an. Ihm schwebte ohnehin ein Bruch mit Atatürks Prinzipien vor. Erdoğan machte Davutoğlu zu seinem außenpolitischen Berater, später zum Außenminister und Premier. Experten prägten einen Begriff für den neuen türkischen Ehrgeiz: Neo-Osmanismus.

Inzwischen haben sich Erdoğan und sein Chefstratege überworfen. Davutoğlu hat die Regierungspartei AKP im vergangenen Jahr verlassen und eine eigene Partei gegründet. Seine Doktrin, der Neo-Osmanismus, gilt heute jedoch mehr denn je. Und das, obwohl sie nach Rückschlägen für die Türkei unter anderem in Syrien bereits als erledigt galt.


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