Frankreichs Mann für Europa: Der Macron-Flüsterer

Vor einigen Tagen hat sich Clément Beaune für sein neues Büro einige Bilder ausgesucht, auch der wuchtige Holzschreibtisch vorm Fenster soll weg. Er hätte gern etwas Leichteres, einen Tisch aus gelbem Leder hat er schon gefunden. “Der würde gut zum blauen Teppichboden passen”, sagt er an einem Septembernachmittag in seinem Büro mit Blick auf die Seine und die üppigen Gärten des Pariser Außenministeriums. Sein Arbeitszimmer trüge dann die Farben der EU-Flagge.

Clément Beaune, 39 Jahre alt, Absolvent der Eliteschule Ena, ist erst vor einigen Wochen hier eingezogen, kurz nachdem ihn Emmanuel Macron Ende Juli zum neuen Staatssekretär für Europa ernannt hatte. Zuvor diente Beaune als europapolitischer Berater des französischen Präsidenten, zunächst in dessen Zeit als Wirtschaftsminister, dann im Wahlkampf, später im Élysée-Palast.

Beaune war an allen großen Europaauftritten und -ansprachen des französischen Präsidenten beteiligt und schrieb maßgeblich Macrons berühmte Sorbonne-Rede, gemeinsam mit dem damaligen Redenschreiber im Élysée. In der Rede, gehalten vor ziemlich genau drei Jahren an der Pariser Universität, verteidigte Macron die europäische Idee emphatisch gegen ihre Kritiker und forderte Deutschland auf, gemeinsam mit Frankreich ein Bündel gewaltiger Reformen anzuschieben. Die Sorbonne-Rede war der Urknall einer neuen, ambitionierten Europapolitik Frankreichs, eine Kampfansage an all die Skeptiker und Wutpolitiker auf dem Kontinent.


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