EU-Kommissarin Ylva Johansson über die EU-weite Asyl- und Migrationsreform

SPIEGEL: Frau Kommissarin, als Reaktion auf die verheerenden Zustände im griechischen Flüchtlingslager Moria nimmt Deutschland 1500 Flüchtlinge auf. Allerdings steht es mit dieser Aktion in der EU ziemlich alleine dar. Was verrät das über den Zustand der Solidarität in der EU, wenn es zum Thema Migration kommt?

Johansson: Moria zeigt, dass die bisherigen Ansätze für eine europäische Flüchtlingspolitik gescheitert sind und wir neue Ideen brauchen. Darum geht es jetzt. Alle künftigen Vorschläge müssen sich an einem Ziel messen lassen: Es darf kein zweites Moria geben!

SPIEGEL: Die griechische Regierung ist nicht nur glücklich über die humanitäre Geste aus Berlin. Sie fürchtet, dass es ein Anreiz sein könnte und bald weitere Lager brennen. Teilen Sie diese Furcht? Sendet Angela Merkel falsche Anreize?

Johansson: Ich habe gerade mit Bundesinnenminister Horst Seehofer einen Brief geschrieben, in dem ich die EU-Mitgliedstaaten auffordere, Flüchtlinge aus Griechenland aufzunehmen. Das hätte ich nicht getan, wenn ich der Meinung wäre, dass es das falsche Signal wäre. Aber wir haben von Griechenland geschrieben, nicht nur von einem Lager. Der Druck auf Griechenland ist in der Migrationsfrage zu hoch, und zwar seit Jahren.


About the Author



Back to Top ↑