Luxemburg-Außenminister Jean Asselborn kämpft für Flüchtlinge: Der letzte Europäer

Ein spätsommerlicher Abend Mitte September, die Orangerie von Schloss Charlottenburg ist festlich beleuchtet, ein Streichquartett spielt. Drinnen speisen an einer langen Tafel mit weißen Tischdecken die Handelsminister der Europäischen Union. Gastgeber ist der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Er hat ein Viergängemenü auftischen lassen.

Alles ist friedlich – wäre da nicht Jean Asselborn. Mit ernster Miene warnt Luxemburgs Außenminister vor dem Mercosur-Freihandelsabkommen mit vier Staaten Südamerikas. “Wir müssen höllisch aufpassen, dass wir hier keinen Fehler machen”, sagt Asselborn. Die Südamerikaner müssten sich verpflichten, die Abholzung des Regenwalds zu stoppen, fordert er. “Sonst bekommen wir auch wieder Zehntausende Menschen auf die Straße.” Mehrere Teilnehmer pflichten ihm bei, sogar die österreichische Wirtschaftsministerin findet positive Worte für Asselborn, obwohl dieser zurzeit bei ihrer Regierung alles andere als beliebt ist.

Als Asselborn die Orangerie verlässt, zeigen die Enden seines Schnurrbarts nach oben, er grinst. Er hat mal wieder den europäischen Laden aufgemischt. “Hab ein Zeichen gesetzt”, sagt er und steigt ins Auto. Auf dem Weg zum Flughafen Tegel erzählt Asselborn, dass bei dem Treffen gar keine Aussprache vorgesehen gewesen sei. Da habe er Altmaier vor dem Essen beiseitegenommen und gefragt: “Peter, ist das hier nur Social Dinner? Das finde ich aber komisch.”


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