Brexit: Toyota und Nissan könnten Entschädigung fordern

Die Europäische Union und Großbritannien steuern zurzeit auf einen Brexit ohne Handelsabkommen zu. Sollte es tatsächlich so weit kommen, wollen Toyota und Nissan, Japans größte Autohersteller, Großbritannien dazu auffordern, ihnen die zusätzlichen Kosten zu erstatten. Beide Firmen haben große Produktionswerke in Großbritannien, mit denen sie vor allem den europäischen Markt beliefern.

Wie die Finanzzeitung “Nikkei” berichtet, rechnen Toyota und Nissan mit zusätzlichen Abgaben von zehn Prozent auf Autolieferungen in die EU, wenn es zum No-Deal-Brexit Großbritanniens komme. Die Autohersteller haben sich zu dem Bericht bisher nicht geäußert.

Nissan brachte allerdings gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters Besorgnis über die möglichen Auswirkungen eines No-Deal-Brexits auf das Europageschäft zum Ausdruck: “Wir fordern die Verhandlungsführer in Großbritannien und der EU nachdrücklich auf, gemeinsam auf einen geordneten, ausgewogenen Brexit hinzuarbeiten, der den für beide Seiten vorteilhaften Handel weiter fördern wird.”

Der britische Premierminister Boris Johnson hatte am Sonntag gesagt, er strebe keinen Brexit ohne Deal an, Großbritannien könne mit solch einem Ergebnis der Verhandlungen jedoch leben. Die Frist, um ein Handelsabkommen auszuhandeln, läuft zum Jahresende aus, die verbleibende Zeit ist bereits jetzt extrem knapp.

Versprechen der britischen Regierung an Nissan

Der “Nikkei”-Bericht unterstreicht, dass viele Unternehmen die Rentabilität ihrer Geschäfte in Großbritannien bei einem No-Deal-Brexit überdenken könnten. Es drohen nicht nur höhere Kosten, sondern auch, dass zusätzliche Zollkontrollen Vorschriften den Geschäftsbetrieb ausbremsen könnten.

Toyota betreibt ein Werk in Derbyshire, Mittelengland, und produziert dort rund acht Prozent der 1,52 Millionen Autos, die 2018 in Großbritannien hergestellt wurden. Außerdem werden Motoren in einem Werk in Wales hergestellt.

Nissan hat eine Produktionsstätte in Sunderland im Nordosten Englands, in der 7000 Mitarbeiter beschäftigt sind. Diese Fabrik wäre “nicht nachhaltig”, wenn Großbritannien die EU ohne ein Handelsabkommen verlassen würde, sagte Nissan bereits im Juni.

Nissan hatte im März angekündigt, dass man Pläne zum Bau seines neuen Modells Qashqai in Sunderland vorantreibe. Als der Autobauer 2016 erstmals die Investition in Höhe von 52 Millionen Pfund (67,4 Millionen US-Dollar) ankündigte, sagte er, er habe von der britischen Regierung die Zusicherung erhalten, dass der Brexit seine Wettbewerbsfähigkeit nicht beeinträchtigen würde. Auf diese Zusage könnte sich das Unternehmen eventuell bei seinen Forderungen berufen.

Icon: Der Spiegel


About the Author



Back to Top ↑