Deutsche EU-Ratspräsidentschaft: Die One-Man-Show des Michael Roth

Erst geht es rechts an den Saaldienern vorbei, dann durch die Tür links und schließlich hinunter zu Reihe eins. Michael Roth legt seinen Rucksack auf die Bank hinter sich. Er soll zum Betrugsskandal um den Finanzdienstleister Wirecard reden, doch in Brüssel interessiert das an diesem Mittwochnachmittag Anfang Oktober kaum jemanden. Die finnische Parlamentsvizepräsidentin und ein paar Dolmetscher sind da. Ansonsten sind die Reihen so gut wie leer. “Es ist nicht leicht, hier Stimmung reinzukriegen”, seufzt Roth.

Kein Politiker der Bundesregierung tritt derzeit öfter in der EU-Hauptstadt auf als der Europa-Staatsminister aus dem Auswärtigen Amt. Egal ob es um die Corona-Regeln in der EU geht, um einen neuen Vorstoß bei den Transparenzbestimmungen für die EU-Institutionen oder um den Konflikt zwischen Griechenland und der Türkei im Mittelmeer – Michael Roth, 50 (SPD), muss ran. Er ist die Stimme Deutschlands in Brüssel, der zumeist einzig sichtbare Repräsentant der EU-Ratspräsidentschaft, die noch bis Ende des Jahres in deutschen Händen liegt.


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