Al Jazeera wegen antisemitischer Inhalte wieder in der Kritik – Globus Deutschland

Al Jazeera wegen antisemitischer Inhalte wieder in der Kritik

Nach öffentlichem Druck hat Al Jazeera am Sonntag ein Video gelöscht, in dem behauptet wurde, dass Juden den Holocaust ausnutzen würden und Israel dessen „größter Vorteilsnehmer“ sei. Das Video, vom arabischsprachigen Onlinekanal ‘AJ+’ veröffentlicht, wurde erst nach massiver Kritik in den sozialen Netzwerken gelöscht.

Der antisemitische Inhalt legte Nahe, der Zugang der jüdischen Gemeinde zu „finanziellen Ressourcen und Medien“ habe zur Folge, dass sie das Leiden der Juden „ins Rampenlicht gerückt haben“ und die Entschädigungen, die Israel nach dem Holocaust erhielt „unverhältnismäßig“ gewesen seien.

Al Jazeera entfernte letztlich das Video und veröffentlichte eine knappe Stellungnahme, die zwar behauptete es habe „die Redaktionsnormen verletzt“, aber vermied eine Verurteilung oder Entschuldigung hinzuzufügen. Zwei Journalisten, die an der Produktion beteiligt waren, wurden laut Netzwerk suspendiert.

Kommentatoren und Internetnutzer wiesen schnell darauf hin, dass dies mitnichten das erste Mal war, dass der katarische Sender antisemitische oder extremistische Inhalte veröffentlicht hat. Vielmehr ist es nur der letzte Zwischenfall in einer langen Serie an fragwürdigen und extremistischen Erzeugnissen des arabischen Al Jazeera Kanals.

Der israelische außenpolitische Sprecher Emmanuel Nahshon stellte fest, das Video verkörpere „das bösartigste Übel“ und fügte hinzu, dass „Al Jazeera so die arabische Jugend einer Gehirnwäsche unterzieht und Hass gegen Israel und die Juden aufrechterhält.“ Ein Sprecher des Ministerpräsidenten bezeichnete Al Jazeera unterdessen als “hetzende Propagandamaschine”. Auf Twitter appellierten viele Nutzer, auch der Sohn des US Präsidenten Trump, Donald Trump Jr., an Facebook den Kanal AJ+ wegen seiner offenen Holocaustleugnung zu sperren.

Nachdem das Video gelöscht wurde, wurde freilich bekannt, dass eine der beteiligten Journalisten, Marah Elwadia, bereits 2012 antisemitische Tweets veröffentlicht hatte. Eines davon war mit dem Hashtag „#fuckjews“ versehen.

Diese Offenbarung stellte die tatsächlichen „Redaktionsnormen“ des Kanals in Frage. Dass das Video erst nach der Protestwelle in den sozialen Netzwerken entfernt wurde, nährte Zweifel darüber, was genau diese Normen seien.

Viele Nutzer drückten auch Verwunderung darüber aus, wie das Video durch verschiedene Etappen redaktioneller Aufsicht laufen konnte, ohne, dass ernsthafte Bedenken über seinen offensichtlich antisemitischen Inhalt erhoben wurden.

Diese Redaktionsnormen sind schon in der Vergangenheit in Frage gestellt worden. 2009 zeigte der Kanal kritiklos wie Yusuf al-Qaradawi, Vordenker der Muslimbruderschaft, Hitler für den Holocaust lobte. Derselbe Geistliche war es, dem letzte Woche nachgewiesen wurde, dass er die Einleitung für die App ‘Euro Fatwa’ geschrieben hatte. Diese wies erneut antisemitische Parolen auf und wurde später von Google entfernt, da sie gegen Richtlinien über Beleidigung und Volksverhetzung verstieß.

Noch vor zwei Jahren twitterte, und entfernte, Al Jazeera eine antisemitische Karikatur, die eine jüdische Verschwörung den Klimawandel zu leugnen darstellte.

Dieser jüngste Zwischenfall passt auch in ein Schema der wachsenden Einflussnahme ausländischer Staatssender im Westen. 2012 wurde deswegen der iranische Kanal Press TV in Großbritannien verboten, neuerdings auch von Google – also auch auf YouTube und Gmail. Ähnliches könnte bald auch dem chinesischen Sender China Global Television Network (CGTN) bevorstehen.

Unklar ist also, warum ein Kanal, der regelmäßig den Holocaust leugnet, uneingeschränkt in Deutschland empfangen werden kann. Es ist sicherlich kein Zufall, dass in arabischen Gemeinden hierzulande der Antisemitismus nachweislich zunimmt und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nachhaltig untergräbt. Aktham Suliman, der ehemalige Büroleiter von Al Jazeera in Berlin, hat dem Sender bekanntlich massive politische Einflussname durch die katarische Regierung vorgeworfen, die der wachsenden Propagierung von extremistischem Material gedient hat.

Es bleibt abzuwarten, ob dieser letzte Zwischenfall Ermittlungen und Forderungen an die Führer Europas zur Folge haben wird, Maßnahmen gegen den Kanal zu ergreifen. Es obliegt jedenfalls der Bundesregierung entweder Druck auf Al Jazeera auszuüben, solches Material zu unterbinden, oder ihn ganz zu sperren.


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