Robert Habeck: Vorgeschichte der Konik-Pferde stört das Idyll des Grünenpolitikers

“Das ist so dicht an Magie, wie man kommen kann”, schrieb Robert Habeck unter einem Post auf Instagram Anfang Juli. Die Bilder zeigten den Grünenchef in idyllischer Harmonie mit sogenannten Konik-Pferden. Habeck hatte die Tiere bei einer Wanderung mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) als Fotomotiv ausgemacht.

In seinem Post sprach sich Habeck auch für Naturschutz aus. Allerdings erwähnte er nicht, dass die Pferde offenbar Teil eines gescheiterten Naturschutzprojekts waren. Wie die “Bild”-Zeitung berichtete, starben mehrere Tiere im Rahmen einer Auswilderung, die das Umweltministerium Schleswig-Holsteins 2004 mit dem Naturschutzbund Nabu beschlossen hatte.

Der Plan sah demnach eine Herde von 30 Tieren vor, die von zwei Schäfern betreut werden sollten. Diese seien ihrer Aufsicht aber zuletzt nicht nachgekommen, berichtet die “Bild”. Anfang des Jahres hätten 70 statt der angepeilten 30 Konik-Pferde in einer Gegend nahmens “Wöhrdener Loch” nahe der Nordsee gegrast. Die Tiere sollen sich gegenseitig das Futter weggefressen haben und abgemagert gewesen sein. Elf von ihnen starben dem Bericht zufolge an Unterernährung. Danach seien die übrigen Pferde in andere Höfe und Schutzgebiete gebracht worden – darunter die Gegend “Schäferhaus”, durch die Habecks Wanderung führte.

Im März hatte der NDR bereits berichtet, dass sieben der Koniks gestorben seien und Fachleute die Tiere untersucht hätten. Polizei und Staatsanwaltschaft nahmen demnach wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz Ermittlungen auf. Ein Tierarzt sagte dem NDR, die Pferde hätten wohl über einen längeren Zeitraum zu wenig Futter gehabt.

Der beim Start des Projekts verantwortliche Umweltminister Schleswig-Holsteins, Klaus Müller, sagte der “Bild”, es sei “ein Experiment zugunsten von Natur und Tourismus” gewesen, “das schieflief”. Er sei froh, “dass der Nabu sich inzwischen dafür entschuldigt hat und die Sache zu einem guten Ende führen will.” Müller gehört ebenfalls den Grünen an. Bis September solle das Projekt im Speicherkoog Dithmarschen beendet und alle Pferde verteilt sein.

Ein Sprecher von Robert Habeck sagte dem SPIEGEL dazu, Habeck sei “der Fall um die verstorbenen Konik-Pferde selbstverständlich bekannt” gewesen. Demnach war das Schicksal der Tiere bei der Wanderung mit Günther und dem betreuenden Biologen “bewusst Thema”. Ein Teil der Pferde seien “genau die Pferde, die im Speicherkoog unterernährt und unter elendsten Bedingungen gehalten wurden”, sagte der Sprecher.

Die Betreuer des Gebiets, durch das Habeck und Günther gewandert seien, hätten die Pferde gerettet. “Insofern ist es ein Beispiel dafür, wie man mit den Konik-Pferden richtig arbeitet – und wie man diese Pferde richtig für den Naturschutz einsetzt.”

Ob es Verstöße gegen das Tierschutzgesetz gegeben habe, sei nun “Bestandteil der juristischen Aufarbeitung”. Unabhängig von dem Urteil sei klar, “dass Naturschutz in keinster Weise rechtfertigt, Tierschutz zu missachten”, sagte Habecks Sprecher.

Icon: Der Spiegel


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