Ermittlungen gegen Bundeswehr-Offizier

Bohnert: Zunächst einmal möchte ich klar sagen, dass ich in keiner Weise rechtsextrem bin. Meine politische Einstellung würde ich als zentristisch beschreiben. Ich stehe nicht nur als Soldat voll und ganz auf dem Boden der freiheitlichen Grundordnung. Deswegen haben mich die Überschriften, ich sympathisiere mit Rechtsextremen, schwer getroffen. Ich bleibe trotzdem dabei: Ich habe keine persönlichen Kontakte oder Sympathien zu Rechtsextremen und ich lehne deren Einstellung entschieden ab.

SPIEGEL: Gleichwohl haben Sie Beiträge von einem Instagram-Nutzer, der sich eindeutig zur rechtsextremen “Identitären Bewegung” bekennt, mit einem Herz versehen und ihm damit auch eine größere Reichweite verschafft. Wie passt das mit Ihrer Distanzierung zusammen?

Bohnert: Ich muss das erklären. Als Referent für Social Media im Verteidigungsministerium habe ich regelmäßig Instagram-Beiträge von Soldaten und denen, die unseren Hashtag #socialmediadivision enthielten, kurz gescannt und häufig mit einem Herz versehen. So wollte ich den Stimmen der Soldaten eine größere Reichweite geben. Im Fall des Kameraden, der sich zur rechtsextremen “Identitären Bewegung” zählt, habe ich wohl nicht genau genug aufgepasst und seinen Hintergrund nicht erkannt.

SPIEGEL: Aber als Social-Media-Mann kennen Sie sich doch sehr gut mit Diensten wie Instagram aus und wissen, dass sich dort auch viele Neurechte tummeln.

Bohnert: Ich habe mit dem Like einen fatalen Fehler gemacht. Ich hätte klüger sein müssen. Mir ging es darum, die Community von Soldaten zu unterstützen, die im Netz von ihrem Alltag berichten und so die Bundeswehr sichtbarer machen. Doch die Inhalte hätte ich mir in jedem Fall genauer ansehen müssen, stattdessen habe ich so gut wie alles mit einem Herz versehen, was unseren Hashtag erwähnte. Ich mache mir deswegen selber schwere Vorwürfe. Ich war hier kein gutes Vorbild für andere Soldaten, die in den sozialen Netzwerken aktiv sind.

SPIEGEL: Abseits von dem “Like” auf Instagram gibt es weitere Vorwürfe gegen Sie. Zum Beispiel, dass Sie 2015 bei der neurechten Burschenschaft “Cimbria” als Dozent auftraten. Das ist mehr als ein schneller Klick.

Bohnert: Der Auftritt war im Nachhinein gesehen nicht glücklich. Damals hatte ich einen Aufsatz über meinen Afghanistan-Einsatz geschrieben. Die Burschenschaft lud mich daraufhin ein. Ich habe den Hintergrund von “Cimbria” damals über Google angesehen und keine Hinweise gefunden, dass die nicht auf dem Boden der Verfassung stehen. Da ich immer für Menschlichkeit und eine differenzierte Diskussion mit allen Strömungen eingetreten bin, habe ich dort die Chance gesehen, Einfluss zu nehmen. Nach meinem Vortrag aber merkte ich schon an den Fragen, dass es hier weniger um das Thema meiner eigenen Einsatzerfahrung ging. Statt nach Afghanistan fragten die Zuhörer nach meiner politischen Einstellung, stellten staatspolitische Fragen wie nach dem Gewaltmonopol. Da wurde mir klar, dass ich für mich am falschen Ort angekommen war. Ich persönlich würde dort nicht mehr auftreten.

SPIEGEL: Als wir von dem Auftritt bei “Cimbria” erfuhren, fanden wir sehr schnell Hinweise auf die neurechte Orientierung der Burschenschaft.

Bohnert: Ich würde dort auch nicht mehr auftreten, das ist ganz klar. Dennoch gab es für mich im Jahr 2015 keine klaren Hinweise auf bestätigten Extremismus. Ich war vielleicht ein bisschen naiv, aber ich bin nicht rechtsextrem. Gerade bei Burschenschaften habe und hatte ich immer eine innere Distanz. Schon deswegen hätte ich den Auftritt absagen sollen.

SPIEGEL: Darüber hinaus sind Sie auch auf einer sicherheitspolitischen Tagung des “Studienzentrums Weikersheim” aufgetreten. Auch diese Gruppe ist bekannt, weil sie die Grenzen zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus verwischt.

Bohnert: Auch auf diesen Auftritt bin ich nicht stolz. Damals hatte ich, ähnlich wie bei der Burschenschaft, nur kurz geschaut, was das für eine Stiftung ist. Als ich sah, dass dort u.a. auch der frühere Bundespräsident Joachim Gauck, Wolfgang Schäuble, Gerhard Schröder oder Norbert Blüm Vorträge hielten, hatte ich keinen Zweifel an der Seriosität. Doch auch hier gilt: Ich hätte genauer schauen müssen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich zum Beispiel beim Darmstädter Signal vorgetragen habe, die gehören sicher nicht zum rechten Spektrum. Es war mir immer wichtig, Filterblasen aufzubrechen und mit Menschen verschiedener Ansichten innerhalb des demokratischen Spektrums in einen Diskurs einzutreten.

SPIEGEL: Daneben haben Sie noch an einem Sammelband mitgewirkt, den ein bekennendes Mitglied der “Identitären” herausgegeben hat. Auch nur ein Zufall?

Bohnert: Ich wurde damals von der Bundeswehr-Uni in München angeschrieben, ob ich einen Aufsatz von mir in einem Sammelband veröffentlichen will. Unter den anderen Autoren des Bands waren zum Beispiel der renommierte Wissenschaftler Michael Wolffsohn oder Professor Masala, den ich wegen seiner Publikationen selbst gut kenne. Bei keinem der Autoren hatte ich irgendwelche Zweifel. Deswegen habe ich mitgemacht und meinen Beitrag, zu dem ich bis heute stehe, beigesteuert.

SPIEGEL: Aber hätte Sie nicht stutzig machen müssen, dass mit Felix S. ein bekennender Rechtsextremer der Herausgeber ist?

Bohnert: Der Sammelband ist 2013 erschienen, damals gab es meines Wissens die “Identitären” noch gar nicht oder sie waren mir jedenfalls nicht bekannt. Ich selber habe erst später, das muss 2015 oder danach gewesen sein, erfahren, dass einer der damaligen Herausgeber den Neurechten zugerechnet wird und sich später auch öffentlich dazu bekannte. Ich lehne diese Bewegung grundlegend ab. Das ändert aber nichts daran, dass ich in meinem Beitrag in dem Sammelband keinerlei rechte Thesen oder ähnliches verbreitet habe. Es ging mir immer in erster Linie um meine eigenen Erfahrungen als Bundeswehrsoldat, nicht um Politik.

SPIEGEL: Können Sie trotzdem verstehen, dass gegen Sie ermittelt wird?

Bohnert: Es ist richtig, dass diese Ermittlungen laufen, denn ich bin mir sicher, dass ich nichts Falsches getan habe und dass ich als Mensch und Soldat zu 100 Prozent auf dem Boden unserer Verfassung stehe. Natürlich ist es bitter für mich, dass ich meinen Posten als Social-Media-Referent jedenfalls vorläufig räumen muss. Aber es ist auch richtig, dass jedem Verdacht auf Rechtsextremismus in der Bundeswehr genau nachgegangen wird. Ich bin fest überzeugt, dass fair ermittelt und sich am Ende alles aufklären wird.

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