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Die „Renovierungswelle“ der EU muss gesundheitliche Bedenken in Bezug auf Mineralwolle berücksichtigen

Im Dezember des letzten Jahres verkündete Ursula von der Leyen als unlängst gekürte Präsidentin der Europäischen Kommission ihren „Green Deal”. Diese umfassende klima- und umweltpolitische Strategie enthält zahlreiche Initiativen. Unter anderem möchte die Kommission Energieeffizienz– und Klimaziele verfolgen. Zugleich soll die Bezahlbarkeit von Energiekosten sicherstellt werden – zur Vermeidung der sogenannten Energiearmut durch zu hohe Heizkosten und ineffektive Gebäudedämmung. Hierzu sieht der Green Deal eine Renovierungswelle” für öffentliche und private Gebäude vor. Diese soll zugleich zur Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft beitragen, u.a. durch wiederverwertbares Baumaterial. An diesen Plänen hat die EU durch die Coronavirus-Krise hinweg festgehalten. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben sich im Juli auf die Eckpunkte eines beispiellosen, über 1,8 Billionen Euro schweren, EU-Haushalts einschließlich eines Aufbauprogramms nach der Krise geeinigt. Dies macht es wahrscheinlicher, dass auch viele Millionen öffentlicher Gelder in die Renovierungswelle fließen werden. Deren Details will die Kommission im September vorstellen.

Dieser Ansatz hat bereits breite politische Unterstützung gefunden. Jedoch stellt sich die Frage, welche Art der Gebäudeisolierung wir – letztlich mit Steuergeldern fördern werden. Im Einklang mit den Zielen der EU müssen die Anforderungen lauten: effektiv, sicher, bezahlbar und recyclebar.

Hinsichtlich eines weit verbreiteten Baumaterials sind in jüngerer Vergangenheit jedoch Bedenken gewachsen, die höher als sein Preis gewichtet werden müssen: künstliche Glas– und Mineralfasern, bekannt als Mineralwolle, Steinwolle oder – in Österreich – Tellwolle (oder in Fachkreisen unter der Englischen Abkürzung MMVF für Man-made Vitreous Fibres).

Mineralwolle steht gemäß der einschlägigen EU-Verordnung zur Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung von Stoffen (1272/2008) unter dem Verdacht, karzinogene, d.h. krebserregende, Wirkung bei Menschen zu haben. Dennoch ist sie bisher nicht EU-weit verboten worden. Die Verordnung sieht vielmehr unter bestimmten Bedingungen eine Ausnahme von dieser Klassifikation vor, von der die Mineralwollindustrie Gebrauch macht.

Es ist jedoch weitestgehend anerkannt, dass Mineralwolle, die vor 1996 produziert wurde, diese Anforderungen generell nicht erfüllt. Dies kann für alle Eigentümer und Bewohner von Häusern mit Dämmmaterial von vor 1996 Besorgnis erregend sein, die möglicherweise alter Mineralwolle ausgesetzt sind. Es ist insbesondere während einer „Renovierungswelle“ hoch relevant, wenn Bauarbeiter oder gar Heimwerker mit alter Mineralwolldämmung während des Ausbaus hantieren. Nach dem Ausbau stellen sich dann Fragen der sicheren Entsorgung.

So berichtete der österreichische öffentlich-rechtliche Sender ORF im Februar, dass sich auf Mülldeponien Berge von Mineralwolle anhäufen, die ebenso krebserregend wie Asbest und nicht recycelbar ist. Eine aktuelle Untersuchung durch Wissenschaftler der Montanuniversität Leoben stützt diese Aussagen. Sie hebt neben vielen weiteren bisher für Mineralwolle ungelösten Problemen hervor, dass es in der Praxis nicht möglich ist, zwischen sogenannter alter und neuer Mineralwolle zu unterscheiden. Daher seien alle Mineralwollabfälle als gefährlich zu behandeln.

Die gesundheitlichen Bedenken gehen aber über den Verdacht der krebserregenden Wirkung und die sogenannte alte Mineralwolle hinaus. Es gibt andere gesundheitliche Bedenken auch hinsichtlich neuer Mineralwolle. Unter anderem geht es um Lungenerkrankungen, einschließlich chronisch-obstruktiven Formen (COPD). Bei diesen verengen sich die Atemwege, und dies kann auch bei medizinischer Behandlung nicht vollständig rückgängig gemacht werden. Diese gesundheitlichen Bedenken wurden in einem im letzten Jahr veröffentlichten Bericht zusammengefasst. Hinsichtlich der Gesundheit sowohl von Bewohnern von Gebäuden, die mit Mineralwolle gedämmt sind, als auch Bauarbeitern, die in der Praxis nicht immer so geschützt werden, wie sie sollten, sind sie bereits im Europäischen Parlament diskutiert worden.

Während die Anstrengungen zur Gebäuderenovierung voranschreiten, ist es wichtig, dass alle mit Mineralwolle verbundenen Probleme nicht nur, aber gerade auch, in Brüssel und den anderen europäischen Hauptstädten berücksichtigt werden.

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