Guten Abend, die drei Fragezeichen heute:
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400 Milliarden Extrawünsche – Kann die Regierung nicht mit Geld umgehen?
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Neue Geschäftsidee – Was hat die Luca-App mit unseren Daten vor?
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Positiv getestet – Was brauchen Sie, um durch die Isolation zu kommen?
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1. Ampel im Ausgabenrausch
Ihr Kind will ein Pferd? Dann sagen Sie Christian Lindner Bescheid, vielleicht hilft er Ihnen. Der Finanzminister der Ampelkoalition ist gerade mit so vielen Ausgabenwünschen konfrontiert, dass es auf ein paar Tausender mehr oder weniger wohl auch nicht mehr ankommt.
Für das laufende Jahr gibt es noch keinen vom Bundestag verabschiedeten Etat. Die Regierung arbeitet daher mit einer vorläufigen Haushaltsführung. Derzeit laufen Gespräche mit den Ressorts. Dabei kam heraus: Lindner soll für die kommenden Jahre fast 400 Milliarden Euro lockermachen. Nicht insgesamt, sondern zusätzlich zur bereits geltenden Finanzplanung. Allein für dieses Jahr belaufen sich die Extrawünsche der roten, grünen und gelben Ministerinnen und Minister auf etwa 70 Milliarden Euro, berichtete das »Handelsblatt«.
Vor allem Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Verkehrsminister Volker Wissing (FDP) und Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verlangen Nachschlag. Lauterbach möchte mehr Steuerzuschuss für die gesetzlichen Krankenkassen. Habeck will neue Förderprogramme für Klimaschutz, Wissing die Infrastruktur modernisieren. Und Lindner: Er rief erst mal zur Sparsamkeit auf, demnächst müsse man auch wieder die Schuldenbremse einhalten.
Ob er sich durchsetzt, ist unklar. Der Zeitgeist ist nicht auf Lindners Seite. Rote und Grüne halten Sparsamkeit für keine Tugend und die Schuldenbremse für überflüssig.
Sind die Ausgabenwünsche berechtigt? Mehr Geld für Klimaschutz und die Infrastruktur sind nötig und wichtig. Deshalb ist der Vergleich mit dem Pferd natürlich gemein. Doch allzu oft zeigt sich, dass das Geld des Staates eben nicht in Investitionen wandert, sondern in den Konsum. Oder es wird mit der Gießkanne ausgeschüttet wie bei der Förderung von E-Autos und angeblichen Niedrigenergiehäusern, die längst dem normalen Baustandard entsprechen. Dann doch lieber ein Pferd.
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Lesen Sie hier mehr: Ampelressorts haben offenbar 400 Milliarden Euro teure Extrawünsche
2. Wehe, Luca-App
Haben Sie auch die Luca-App auf Ihrem Handy installiert? Jenes total hippe Anti-Corona-Hilfsprogramm? Die supersmarte App zur Kontaktnachverfolgung? Der digitale Hoffnungsschimmer in der Faxgeräterepublik Deutschland, gefeiert und beworben von Rapper Smudo von den Fantastischen Vier?
Nun, die Sache mit der Kontaktnachverfolgung hat sich weitgehend erledigt. Hat doch nicht so gut geklappt. Und jetzt zeigt sich, was die Macher der Luca-App, darunter wohl auch Investor Smudo, vorhaben: Sie wollen die App zu einem Bezahlsystem für Kneipen und Restaurants ausbauen. Unsere persönlichen Daten haben wir ihnen ja praktischerweise schon zur Verfügung gestellt.
Wie die »Bild«-Zeitung zuerst berichtete, will Luca unter anderem mit geringeren Gebühren für Kartenzahlungen punkten. Luca sei in der Lage, im Vergleich zu »großen Payment-Unternehmen« deutlich günstigere Konditionen pro Transaktion anzubieten. »Wir sehen in unserem Angebot eine echte Chance für Deutschland und Europa, die Digitalisierung von Gastronomie und Kultur nicht wieder US-Anbietern überlassen zu müssen, sondern eine eigene Lösung an den Start zu bringen«, heißt es in Lucas Pressemitteilung.
Ich habe nichts gegen digitale Bezahlsysteme, im Gegenteil. Aber in diesem Fall fühlt man sich hinters Licht geführt. Deshalb heute gelöscht: die Luca-App auf meinem Handy.
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Lesen Sie hier mehr: Luca-App soll Personalausweise speichern und Bezahlen ermöglichen
3. Gut vorbereitet in die Isolation
Mehr als 150.000 Menschen infizieren sich derzeit täglich mit dem Coronavirus, viele gehen in Isolation. Da ist es gut, wenn man ein paar Dosen Ravioli im Schrank hat. Mein Kollege Bastian Midasch hat aufgeschrieben, wie Sie sich sonst noch vorbereiten können.
Hier die wichtigsten Tipps:
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Medikamente: Mediziner raten, sich einen kleinen Vorrat an Ibuprofen und Paracetamol anzulegen. Außerdem ein Fieberthermometer und ausreichend Tee. Leiden Sie an Atemnot? Dann, so der Mediziner Michael M. Kochen, sollten Sie sofort einen Arzt kontaktieren.
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Familie: Halten Sie auch zu Hause Abstand und tragen Sie Maske. Benutzen Sie unterschiedliches Geschirr. Bevorraten Sie sich mit Antigen-Selbsttests.
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Kinder: Halten Sie eine geordnete Tagesstruktur aufrecht, mit festen Mahl- und Schlafenszeiten. Der Benediktinerpater Anselm Grün hat im SPIEGEL-Interview den Tipp parat, auch Schweigezeiten zu verabreden, in denen nicht ständig einer den anderen stört. So halten es die Mönche.
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Kühlschrank: In den Großstädten gibt es kommerzielle Lieferdienste, im ländlichen Raum manchmal gemeinnützige Organisationen, die Hilfe anbieten. Über Quarantaenehelden.org können Sie Kontakt aufnehmen.
Sollten Sie sich gerade in Isolation befinden: Bitte schreiben Sie mir doch, was Sie vermissen, oder was Ihnen über den Tag hilft: alexander.neubacher@spiegel.de. Ich bin neugierig auf Ihre Erfahrungen.
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Lesen Sie hier mehr: So bereiten Sie sich auf eine mögliche Isolation vor
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Was heute sonst noch wichtig ist
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Biden kündigt mehr US-Truppen für Osteuropa an: Es soll ein Zeichen der Unterstützung in der Ukrainekrise sein: Der amerikanische Präsident will laut Medienberichten noch an diesem Mittwoch die Entsendung weiterer Soldaten nach Osteuropa bekannt geben.
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Renate Künast erringt klaren Sieg gegen Facebook-Hetzer: Die Grünenpolitikerin wird immer wieder im Netz beleidigt. Nun setzt ein Beschluss aus Karlsruhe die Social-Media-Konzerne unter Druck und dürfte Facebook zwingen, Daten von Onlinehetzern an Künast zu geben.
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EU-Kommission stuft Atomkraft und Gas als nachhaltig ein: Ungeachtet massiver Kritik stuft die EU-Kommission Investitionen in neue Gas- und Atomkraftwerke unter bestimmten Auflagen als klimafreundlich ein. Das kündigte die zuständige EU-Kommissarin Mairead McGuinness in Brüssel an.
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Nestlé nimmt Vittel vom deutschen Markt: Der Lebensmittelkonzern Nestlé stellt den Verkauf der Marke Vittel in Deutschland und Österreich ein. Das Unternehmen war wegen der Gewinnung des Wassers scharf kritisiert worden.
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Bundesregierung nimmt Israel gegen Amnesty in Schutz: Amnesty International bezichtigt Israel, Palästinenser einem Apartheid-System auszusetzen. Die Bundesregierung kritisiert die Organisation dafür. Noch schärfer ist die Reaktion der Deutsch-Israelischen Gesellschaft.
Meine Lieblingsgeschichte heute: »Müsste ich den kennen?«
Mein Kollege Stefan Weigel beschreibt ein Problem, dass auch mich beschäftigt: Vergesslichkeit. »Manchmal weiß ich schon nachmittags nicht mehr, wer morgens in der Konferenz gegen wen gestichelt hat und vor allem warum«, schreibt Stefan. »Ging es um ein Thema, für das sich mehrere Fachressorts gleichzeitig zuständig fühlten oder ging es – was wahrscheinlicher ist – um ein Thema, für das sich mehrere Ressorts gleichzeitig nicht zuständig fühlten? Ging es gar nicht um eine Sach-, sondern vielmehr um eine Machtfrage? Oder ging es – was natürlich viel wahrscheinlicher ist – doch um die Sache und darum, im konstruktiven Dialog mit Kolleginnen und Kollegen den SPIEGEL gemeinsam besser zu machen? Weg. Alles weg. Schon wenige Stunden danach.«
Ich glaube, es hängt mit Corona zusammen. Seit wir unser Leben im Digitalen führen und unsere Sensorik verkümmert, versinken wir im immer gleichen Strom der Videocalls. Manchmal fragt man sich, welcher Wochentag ist.
Stefan sagt, er schreibe sich wichtige Sachen auf einen Zettel. Leider passiere es, dass er seine Notiz am nächsten Tag nicht mehr entziffern könne. Oder er könne entziffern, wisse aber nicht mehr, warum er sie aufgeschrieben habe. »Notizen, die in eine der beiden Kategorien fallen, lasse ich einfach weg und hoffe, dass sie sich von selbst erledigen. Manchmal tun sie es. Manchmal nicht. Dann tauchen sie wieder auf und landen erneut auf dem Zettel.«
In Stefans Kolumne erfahren Sie auch, was es mit dem geheimnisvollen SPIEGEL-Kollegen Tim Berger auf sich hat, der sich kürzlich über LinkedIn bei Stefan gemeldet hat. Eben jener Kollege war dort auch mir kürzlich begegnet. Mir war allerdings entfallen, warum.
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Lesen Sie hier die ganze Geschichte: Warum kann ich mich nicht an den Kollegen erinnern?
Was wir heute bei SPIEGEL+ empfehlen
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In der Hölle von Neo Chimonio: Griechische Beamte greifen zu immer brutaleren Mitteln, um Asylsuchende fernzuhalten. Nun wehrt sich eine junge Iranerin. Sie berichtet von Schlägen mit Holzknüppeln – und hat die Uno eingeschaltet.
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Er stellt ja nur Fragen: Einer der erfolgreichsten Podcaster der Welt lädt Impfgegner und Rechtsradikale ein. Der Skandal, den Joe Rogan damit ausgelöst hat, wird ihm kaum schaden.
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Ist eine Reiserücktrittsversicherung sinnvoll? Wer zahlt die Stornogebühren, wenn der Urlaub wegen Corona ausfällt? Stiftung Warentest hat Dutzende Versicherungen untersucht. Expertin Barbara Bückmann erklärt, worauf man achten sollte.
Was heute weniger wichtig ist
Spielschrieb: Dillon Helbig, 8, aus Lake Hazel Village im US-Bundesstaat Idaho hat mit seinem selbst verfassten Buch »Die Weihnachtsabenteuer des Dillon Helbig« einen Überraschungserfolg gelandet. Der Zweitklässler hatte das handgeschriebene Werk heimlich im Regal der örtlichen Leihbibliothek platziert. Dort entwickelte es sich zum Renner, so US-Medienberichte. Die Bibliothek nahm das Buch in ihren offiziellen Bestand auf. Die Nachfrage ist groß, die Wartezeit beträgt inzwischen mehrere Jahre. In einer TV-Show zeigte sich Dillon zufrieden mit dem Erfolg: »Ich wollte, dass die Leute es lesen.«
Tippfehler des Tages, inzwischen korrigiert: »Neben Pferde- und Hunderennen setzt die Wettnation Großbritannien sein Geld auch auf das Ende von Boris Johnson.«
Cartoon des Tages: Das Wunder von Brüssel
Foto:
Klaus Stuttmann
Und heute Abend?
Karoline Herfurth ist die Publikumskönigin des deutschen Films. Seit 2013 haben mehr als 25 Millionen Menschen einen Film mit ihr gesehen. »Weder Til Schweiger noch Matthias Schweighöfer waren in diesem Zeitraum im Kino erfolgreicher«, schreibt mein Kollege Lars-Olav Beier.

Filmemacherin Herfurth
Foto:
Jonas Holthaus / laif
Vielleicht liegt es an ihrem Mut zur Normalität. In Herfurths jüngsten Film »Wunderschön« gibt es eine Szene, in der sich die von ihr gespielte Mutter in eine Hose zu quetschen versucht, die ihr vor der Schwangerschaft noch passte. »Herfurth macht daraus einen slapstickhaften Moment der Selbsterkenntnis«, schreibt Lars-Olav: »Zehn Kilo habe sie für den Film zugenommen, nicht zuletzt für diese Szene. Nun sieht das Publikum, was Mutterschaft für den weiblichen Körper bedeuten kann.« (Lesen Sie hier den vollständigen Text.)
In »Wunderschön« hat Herfurth auch Regie geführt. Es ist ein Episodenfilm, der von Frauen verschiedenen Alters erzählt, die zwischen Selbstverwirklichung und Burn-out taumeln, die mit Schönheitskult und Optimierungsdruck zu kämpfen haben. Die Besetzung ist prominent, Nora Tschirner, Emilia Schüle, Martina Gedeck, Dilara Aylin Ziem. Und auch dieser Film ist wieder sehr erfolgreich gestartet.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Abend.
Ihr Alexander Neubacher
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