schland: Jeder Funfte ist von Rassismus betroffen //
Reem Alabali-Radovan, Staatsministerin beim Bundeskanzler und Antirassismus-Beauftragte der Bundesregierung
Foto by Felix Zahn / photothek / IMAGO
Vorurteile bei der Wohnungsvergabe, Beleidigungen im Job, einseitige Kontrollen durch die Polizei: Immer wieder berichten Menschen in Deutschland von rassistischen Erfahrungen, viele seien strukturell. Nun hat sich die Bundesregierung erstmals bemuht, konkrete Zahlen zusammentragen. Das Urteil des neuen >>Rassismusmonitors<< fallt ernuchternd aus: Demnach sind gut 90 Prozent der Menschen im Land der Meinung, dass Deutschland ein Rassismusproblem hat.
Die Auftaktstudie des >>Rassismusmonitors<< wurde vom Deutschen Zentrum fur Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) erhoben. Das Zentrum wurde 2017 gegrundet und wird durch den Bundeshaushalt gefordert. Die Studie soll von nun an regelmassig erscheinen.
Vor allem Jungere sind sensibilisiert
Die Forschenden hatten neben einer reprasentativen Befragung der Bevolkerung im Alter ab 14 Jahren auch gezielt Angehorige von sechs >>rassifizierten Minderheiten<< in den Blick genommen: Schwarze Menschen, Muslime, Asiaten, Sinti und Roma, Juden und Osteuropaer. Die Befragten konnten sich dabei sowohl selbst einer dieser Gruppen zuordnen als auch angeben, ob sie von Aussenstehenden einer dieser Gruppen zugeordnet werden.
45 Prozent der Menschen in Deutschland haben laut der Studie schon einmal rassistische Vorfalle beobachtet. Mehr als ein Funftel der Bevolkerung (etwa 22 Prozent) gibt an, selbst schon von Rassismus betroffen gewesen zu sein. Laut Studie berichten junge Menschen haufiger von direkten Rassismuserfahrungen als Altere. Das mag mit einem gescharften Problembewusstsein bei den Jungeren, womoglich aber auch mit mehr Kontakten junger Betroffener zu Angehorigen der Mehrheitsgesellschaft zusammenhangen.
Abwertung von Rassismuskritik
Unter den >>rassifizierten Minderheiten<< gaben insgesamt 58 Prozent an, schon einmal selbst Rassismus ausgesetzt gewesen zu sein, wobei der Wert bei den Angehorigen der sechs Minderheiten in der Altersgruppe zwischen 14 und 24 Jahren bei rund 73 Prozent lag, bei den uber 65-Jahrigen dagegen mit 24,2 Prozent deutlich niedriger.
Dass bestimmte ethnische Gruppen, beziehungsweise Volker intelligenter als andere sind, glauben laut Studie zwar lediglich neun Prozent der Bevolkerung. Der Aussage, dass gewisse ethnische Gruppen oder Volker >>von Natur aus fleissiger sind als andere<<, stimmte allerdings rund ein Drittel der Befragten zu.
>>Rassismus<>Abstammung<< verallgemeinerte, unveranderliche Eigenschaften zugeschrieben werden.
>>Ein wichtiger Schritt fur Veranderung<<
Die Forscher kommen zu dem Schluss, Rassismuskritik werde oft dadurch abgewehrt, dass Betroffenen eine Hypersensitivitat unterstellt werde. Den Angaben zufolge ist ein Drittel der Bevolkerung der Auffassung, dass Menschen, die sich uber Rassismus beschweren, >>haufig zu empfindlich<>politischer Korrektheit<<.
>>Deutschland weiss um sein Rassismusproblem<>Die breite Erkenntnis ist eine gute Nachricht, denn sie ist ein wichtiger Schritt fur Veranderung.<< Jahrzehntelang sei Rassismus in Deutschland verschwiegen oder gar bestritten worden, das wirke bis heute nach.
Alabadi-Radovan kundigte an, rassistische Strukturen bei Behorden, in der Polizei und in der Arbeitswelt bekampfen zu wollen. >>Wir mussen gemeinsam die wehrhafte Demokratie sein, die den Nahrboden von Rassismus austrocknet<<, sagte die Staatsministerin.









