Die ersten Schritte in Richtung Europa
Seit den ersten Jahren der Unabhängigkeit ist Usbekistan bestrebt, enge partnerschaftliche Beziehungen zu Europa und seinen Mitgliedstaaten aufzubauen, schreibt Ibrohim Abdurahmonov, Landwirtschaftsminister Usbekistans
In diesem Sinne markierte die Eröffnung der usbekischen Botschaft in Brüssel im Jahr 1993 den Beginn offizieller diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Im Jahr 1996 wurde ein Abkommen zur Vermeidung der Doppelbesteuerung unterzeichnet, gefolgt von einem Investitionsschutzabkommen im Jahr 1998. Diese Dokumente stärkten die rechtlichen Garantien für Unternehmer beider Länder und legten den Grundstein für die Zusammenarbeit im Agrarsektor.
Im Jahr 2012 präsentierte Usbekistan auf der internationalen Landwirtschaftsausstellung in Libramont (Belgien) sein landwirtschaftliches Investitionspotenzial vor europäischen Partnern und weckte das Interesse führender Unternehmen wie Joskin, Menart, Ilvo und Etesia. Darüber hinaus haben Vertreter Usbekistans und Belgiens ihre langjährigen Beziehungen durch gegenseitige Besuche und Wirtschaftsforen weiter vertieft.
Ergebnisse der Zusammenarbeit: Zahlen und Fakten
In den letzten Jahren haben viele europäische Länder, darunter auch Belgien, das Potenzial Usbekistans in der Landwirtschaft erkannt und Interesse an einer verstärkten Agrarpartnerschaft bekundet. So belief sich der Handelsumsatz zwischen den beiden Ländern im Jahr 2024 auf 62,3 Mio. USD, wovon die usbekischen Exporte 7,3 Mio. USD und die Importe 55 Mio. USD betrugen.
Mehrere belgische Unternehmen führen derzeit Investitionsprojekte in Usbekistan durch. Jaga Climate Designers hat ein gemeinsames Projekt für Heizungs- und Lüftungssysteme gestartet, während die Picanol-Gruppe die Montage von Hightech-Textilmaschinen lokalisiert. Die belgischen Marken Belcolade und Prefamac prüfen Möglichkeiten zur Gründung von Joint Ventures für die Schokoladenproduktion.
Vielversprechende Perspektiven zeichnen sich auch in der Landwirtschaft ab. Mit Greenyard und Puratos werden Projekte für die Verarbeitung von Obst und Gemüse entwickelt. Diese Zusammenarbeit sieht die Ausweitung von Import-Export-Ketten über belgische Häfen – insbesondere den Hafen von Antwerpen – vor, um neue Märkte zu erschließen. Die Steigerung der saisonalen Exporte (z. B. Obst, Gemüse, Weintrauben, Trockengemüse und Gewürze) ist zu einer strategischen Priorität geworden.
Der entwickelte belgische Markt und die hohe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Erzeugnissen in Verbindung mit der wachsenden Produktions- und Exportkapazität Usbekistans machen diese Zusammenarbeit für beide Seiten vorteilhaft. Es ist auch geplant, von Belgiens fortgeschrittener Erfahrung im Bereich Pharmazeutika und Biomedizin zu profitieren. Unternehmen wie UCB und Janssen Pharmaceutica haben die Gründung von Joint Ventures oder Industrieclustern in Usbekistan erörtert.
Technologie und Bildung – neue Wege der Zusammenarbeit
Usbekistan treibt die Modernisierung der Industrie und die Diversifizierung der Exporte voran und ist bereit, seine Zusammenarbeit mit Belgien auf eine neue Ebene zu heben. Im Rahmen des EU-AGRIN-Projekts, das mit Unterstützung der EU und der Vereinten Nationen durchgeführt wird, werden landwirtschaftliche Innovationen eingeführt: solarbetriebene Tropfbewässerungssysteme haben den Wasser- und Energieverbrauch um 55 % reduziert, während klimaresistentes Saatgut die Ernteerträge um 33 % erhöht hat. Diese greifbaren Ergebnisse sind zu einem festen Bestandteil der Strategie der landwirtschaftlichen Zusammenarbeit geworden.
Zu den vorrangigen Bereichen der Zusammenarbeit gehören die Einführung von Agrartechnologien, die Modernisierung von Bewässerungsanlagen, das Abwasserrecycling und Projekte zur Energiegewinnung aus Biomasse. Usbekistans staatliches Programm “Radmik-su” (2022-2026) konzentriert sich auf Initiativen zur Wassereinsparung. Belgisches Fachwissen im Bereich Umwelttechnologien und akademische Einrichtungen unterstützen die Digitalisierung von Bewässerungssystemen und Kanalreinigungsverfahren.
Die verarbeitende Industrie ist eine weitere Schlüsselrichtung. Geplant sind Joint Ventures für die Konservierung von Obst und Gemüse, die Verarbeitung von Getreide und Milchprodukten sowie die Herstellung von konzentrierten Säften und Apfelessig, die alle europäischen Standards entsprechen.
Der Wissensaustausch in den Bereichen Saatgutproduktion und Pflanzenzucht ist von strategischer Bedeutung. Mit der Universität Namur (Belgien) werden derzeit Verhandlungen über eine Zusammenarbeit in der landwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung geführt. Gemeinsame Programme in den Bereichen Genetik, Biomechanik, mobile Labors und landwirtschaftliche Informationssysteme sind ebenfalls in Vorbereitung.
Logistik, Export und Zukunftsperspektiven
Logistik und Infrastrukturentwicklung sind integrale Bestandteile der landwirtschaftlichen Zusammenarbeit. Der Hafen von Antwerpen und andere belgische Logistikzentren werden als wichtige Transitzentren für die Ausweitung der Exporte aus Zentralasien nach Europa angesehen. Usbekistan diskutiert Maßnahmen wie die Entwicklung eines Kühlketten-Logistiksystems, die Zertifizierung von Produkten nach europäischen Qualitätsstandards, die Nutzung von Benelux-Vertriebszentren und die Einführung von Exportfinanzierungsmechanismen für kleine und mittlere Unternehmen.
Trotz des großen Potenzials gibt es noch einige Herausforderungen – vor allem in Bezug auf Logistik und Normung. Direkte Transportverbindungen mit Belgien sind begrenzt, so dass es notwendig ist, Luft-, See- und Bahntransitstrecken sowie spezielle Kühllager zu entwickeln. Darüber hinaus sind die Einhaltung der europäischen Pflanzenschutz- und Umweltstandards, Zertifizierungsverfahren und die Schulung der Landwirte wesentliche Schritte für den Eintritt in den EU-Markt.
Die Identifizierung von Finanzierungsquellen für gemeinsame Projekte ist eine weitere wichtige Aufgabe. Regierungsprogramme könnten Zuschussfonds und steuerliche Anreize zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen einführen. Internationale Finanzinstitutionen stellen bereits Zuschüsse und langfristige Kreditlinien bereit, um Investoren für den usbekischen Agrarsektor zu gewinnen.
Die Ausweitung der technologischen Zusammenarbeit erfordert mehr Aufmerksamkeit für die wissenschaftliche Forschung. Aufbauend auf den belgischen und europäischen Erfahrungen will Usbekistan moderne Agrartechnologien einsetzen, fortschrittliche Hybrid- und Saatgutprogramme einführen, den Einsatz von Pestiziden reduzieren und die biologische Schädlingsbekämpfung fördern. Gemeinsame Forschungsprojekte zwischen belgischen Universitäten und usbekischen landwirtschaftlichen Instituten könnten sich auf den Gewächshaus- und Terrassenanbau konzentrieren sowie Praktika und Austauschprogramme für Fachleute organisieren.
Schlussfolgerung
Die landwirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Usbekistan und Belgien ist nicht nur für die Förderung des gegenseitigen Handels und der Investitionen von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die stärkere Integration in globale Märkte und Technologien. Das Landwirtschaftsministerium der Republik Usbekistan ist bereit, die strategische Partnerschaft mit Belgien weiter zu vertiefen, um die Ernährungssicherheit zu gewährleisten, die Exporte zu steigern und gemeinsam in High-Tech-Projekte zu investieren.
Zu den künftigen Plänen gehören:
- Stärkung stabiler und hochwertiger Exportwege für usbekisches Obst und Gemüse;
- die Ausweitung gemeinsamer Projekte zur Einführung von Agrotechnologien;
- Erfahrungsaustausch über wasser- und ressourcensparende Innovationen;
- die Entwicklung von Agro-Clustern und landwirtschaftlicher Logistikinfrastruktur.
Langfristig strebt Usbekistan ein schnelles Wachstum der Agrarexporte, höhere Einkommen der Landwirte und eine verstärkte Zusammenarbeit mit Belgien und anderen europäischen Ländern an. Gemeinsame Anstrengungen zur Verwirklichung des usbekischen Investitions- und Landwirtschaftspotenzials werden zweifellos zu fruchtbaren Ergebnissen führen.
Autor: Ibrohim Abdurahmonov, Minister für Landwirtschaft












