Derzeit richten sich die Augen der Welt auf das Friedensabkommen für den Gazastreifen und die Hamas-Geiseln, die endlich wieder mit ihren Familien in Israel vereint wurden. Die Gedanken kreisen nun um die Frage, wie es weitergeht.
Diese Themen beherrschen verständlicherweise die westliche Nachrichtenagenda, aber es ist wichtig, dass die Regierungen auch anderen Ländern Aufmerksamkeit schenken, die mit den schrecklichen Auswirkungen des Krieges zu kämpfen haben und sich bemühen, ihre Häuser, Unternehmen und Infrastruktur wieder aufzubauen.
Die Lage in Syrien zum Beispiel bleibt düster. Seit dem Zusammenbruch der Assad-Diktatur hat sich die islamische HTS-Übergangsregierung darauf konzentriert, ausländische Direktinvestitionen anzuziehen, um den Wiederaufbau des Landes zu beginnen. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.
Während des Bürgerkriegs waren über 14 Millionen Syrer gezwungen, auf der Suche nach Sicherheit aus ihrer Heimat zu fliehen. Etwa sieben Millionen dieser Flüchtlinge sind innerhalb Syriens auf der Flucht, und schätzungsweise 328.000 Häuser wurden zerstört und ganze Städte in Schutt und Asche gelegt.
Die Europäische Union debattiert darüber, ob es an der Zeit ist, dass diese Flüchtlinge in das Syrien der Nach-Assad-Ära zurückkehren – oder sogar dazu gezwungen werden -. So wird beispielsweise über die zwangsweise Abschiebung von Personen diskutiert, die ein Sicherheitsrisiko darstellen oder als Straftäter verurteilt sind, aber auch an diejenigen, die freiwillig nach Syrien zurückgekehrt sind, muss gedacht werden.
Die EU hat 175 Millionen Euro zur Unterstützung des sozialen und wirtschaftlichen Wiederaufbaus in Syrien zugesagt und die Sanktionen aufgehoben, um die Wirtschaft wieder in Gang zu bringen.
In Wirklichkeit ist es jedoch noch immer nicht sicher genug für Flüchtlinge, um in großem Umfang zurückzukehren: Humanitäre Hilfe wird dringend benötigt, der medizinische Sektor liegt am Boden, 90 % der Menschen in Syrien leben unter der Armutsgrenze, jeder Vierte ist arbeitslos, wichtige Infrastrukturen wie Straßen, das Stromnetz und Wasserleitungen sind zerstört, und die Wirtschaft liegt in Trümmern.
Auch das Bildungssystem gibt Anlass zur Sorge. Nach Angaben von UNICEF gehen mehr als 2,4 Millionen Kinder nicht zur Schule, was die Wahrscheinlichkeit von Kinderarbeit und Kinderzwangsheirat erhöht.
Das Welternährungsprogramm schätzt, dass 9,1 Millionen Menschen in Syrien nicht genug zu essen haben, wobei die Unterernährung von Müttern und die akute Unterernährung von Kindern unter 5 Jahren ein globales Notstandsniveau erreicht hat. Die Lebenshaltungskosten haben sich in den letzten drei Jahren verdreifacht, so dass der Mindestlohn nur ein Fünftel der Grundnahrungsmittel einer Familie und ein Zehntel der lebensnotwendigen Güter abdeckt.
Was muss also geschehen, damit die Flüchtlinge sicher zurückkehren können? Am wichtigsten ist, dass die Vereinigten Staaten der EU folgen, indem sie die Sanktionen aufheben und die Zölle von 41 % auf syrische Importe abschaffen. Dies wird es erfahrenen Geschäftsleuten, die in ihr Heimatland zurückkehren und es von innen heraus unterstützen wollen, ermöglichen, dies zu tun.
Der nächste Schritt ist die Erteilung von Einfuhr- und Ausfuhrlizenzen für syrische Unternehmen. Dies kann den Geldfluss wieder in Gang bringen und die dringend benötigten ausländischen Investitionen fördern.
Auch die Grundbedürfnisse müssen befriedigt werden. Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln sind an der Tagesordnung, und deshalb muss der einst blühenden syrischen Landwirtschaft besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden, die ihrerseits zur Bekämpfung der Hungersnot beitragen wird. In der Vorkriegszeit trug die Landwirtschaft 18 % zum BIP bei, bot Arbeitsplätze und Exportmöglichkeiten und ernährte die Syrer. Diese Zahl so schnell wie möglich wieder zu erreichen, ist ein sinnvoller Ansatzpunkt.
Viele Millionen syrischer Flüchtlinge wollen unbedingt nach Hause zurückkehren, aber da es an professionellen Wirtschaftsführern mangelt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das Land in absehbarer Zeit dazu bereit sein wird. Es ist an der Zeit, dass die USA das Gesamtbild betrachten und eine Lockerung der Sanktionen gegen diejenigen in Betracht ziehen, die den Wiederaufbauprozess am meisten unterstützen könnten.












