Vier Monate nach seiner Ernennung zum Bundesgesundheitsminister konstatiert Karl Lauterbach, dass die Regierungsarbeit noch fordernder ist als gedacht. »Die Aufgabe ist viel härter, als ich mir das vorgestellt hatte«, sagte der SPD-Politiker der Nachrichtenagentur dpa in Köln. »Zeitlich, aber auch was die Komplexität der Anforderungen angeht. Ich arbeite von morgens früh bis spät in die Nacht hinein, und dennoch würde ich mir wünschen, dass der Tag mehr Stunden hat. Es ist eine Belastung, wie ich sie mir in dem Umfang nicht vorgestellt habe.«
In seine Heimatstadt Köln komme er nur noch selten. Auch die Tischtennisspiele mit seinem Freund Günter Wallraff haben mittlerweile Seltenheitswert, wenngleich sie immer noch stattfinden. Seit seiner Vereidigung zum Bundesgesundheitsminister lebt Lauterbach ganz überwiegend in Berlin, in einer gemeinsamen WG mit einer seiner Töchter.
Er habe sich sehr gefreut, als er von Bundeskanzler Olaf Scholz (ebenfalls SPD) für den Job angefragt worden sei. Er habe mitgestalten wollen, nicht nur das Corona-Management, sondern auch die Reform des Gesundheitswesens.
Advertisement
Vom Mahner zum Lockerer?
Kritiker halten Lauterbach vor, er habe sich im Amt binnen weniger Monate vom Mahner und Warner zum Lockerer gewandelt – schließlich sind am Sonntag die meisten Schutzbestimmungen weggefallen. »Ich kenne den politischen Betrieb, ich bin seit 17 Jahren Berufspolitiker«, sagt der 59-Jährige. »Und deshalb weiß ich, dass zum Wesen der Politik der Kompromiss gehört«, sagte Lauterbach dazu nun der dpa.
Lauterbach wollte die allgemeine Maskenpflicht beibehalten, doch Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hielt dies für rechtlich nicht mehr begründbar, weil eine nationale Überlastung des Gesundheitssystems nicht mehr zu befürchten sei. Lauterbach konnte lediglich erreichen, dass den Ländern eine Möglichkeit für regionale Hotspotregelungen eröffnet wurde. Unter anderem machte Hamburg davon Gebrauch.